Nord- Süd 2

 

Nord-Süd-Strecke

Teil 2: Von der Leine zur Fulda

Hier findet unsere Reise über die Nord-Süd-Strecke von Teil 1 seine Fortsetzung von Göttingen nach Bebra. Folgte die Strecke von Hannover kommend bisher den Leinetal, so verändert sich südlich von Göttingen ihren Charakter. Denn zwischen Friedland und Eichenberg verläßt die Bahn nunmehr das Leinetal, um sich in Eichenberg in Richtung Kassel und Bebra zu teilen. Der Kasseler Zweig führt hinab ins Werratal, dem er bis Hannoversch Münden flußabwärts folgt. Die Strecke nach Bebra überwindet die erste Mittelgebirgsschwelle, erreicht durch den Bebenroth-Tunnel ebenfalls die Werra, der sie flußaufwärts bis Eschwege folgt. Es folgt die Überwindung einer weiteren Gebirgsschwelle über die Cornberger Rampe der Abstieg ins Tal der Fulda, wo der Eisenbahnknoten Bebra erreicht wird.

Wie die Leinetalbahn trug auch dieser Abschnitt bis zur Eröffnung der Neubaustrecke Hannover -- Würzburg die Hauptlast des Nord-Süd-Verkehrs. Nach Aufnahme des vertakteten Intercity-Verkehrs im Jahre 1979 war die Belegung der Strecke so dicht, daß für überall haltende Nahverkehrszüge kein Platz blieb und das sogenannten eilzugmäßige Fahren eingeführt wurde. Unter anderem Halte wie Werleshausen, Oberrieden, Albungen oder Cornberg wurden aufgegeben, so daß diese Orte entlang der Strecke nur noch durch umständliche und zeitraubende Busverbindungen aufgesucht werden konnten.

Die Aufnahmen stammen wie im ersten Teil aus den Jahren 1987 bis 1993, wobei allerdings die Strecke bei weitem nicht so intensiv fotografisch verarbeitet wurde wie die Leinetalbahn, nicht zuletzt auch aufgrund der oben erwähnten schweren Zugänglichkeit einzelner Streckenabschnitte, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war. Gleichwohl können hier die typischen Abschnitte vorgestellt werden. 

 

In Göttingen steht der Zug Richtung Eichenberg bereit, das gemütliche Abteil ich gut geheizt und die gerade aufgegangene Sonne scheint auf die grünen, gepolsterten Sitze, wo heute die Reisenden mit einfachem Straßenbahnkomfort vorlieb nehmen müssen.  [10763]

Einst überall anzutreffen  waren die Anrufschranken, die auf Verlangen für den landwirtschaftlichen Verkehr geöffnet wurden. Der gelbe Sprechkasten stellte nach Drücken einer Taste die Verbindung zum zuständigen Fahrdienstleiter her. Die 111 hat vor ihrem Schnellzug eben den Bahnhof Rosdorf durchfahren und erreicht in Kürze Friedland.

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Im ersten Morgenlicht des bitterkalten 4. Januar 1989 rollt IC 581 nach München an der Ortschaft Obernjesa vorbei ... [10791]
... und durchfährt in etwa zwei Minuten Friedland. [10792]
Kurze Zeit später kommt von Süden ein Güterzug vorüber.  [10793]
Der Sülzeberg, von dem aus auch die vorangegangenen Bilder entstanden, bietet einen schönen Blick auf die Strecke und auf das Dorf Klein Schneen, an dem der Eilzug 3070 vorbeifährt und in dem der Wetterhahn auf der Dorfkirche im Morgenlicht glänzt. Im Vordergrund schlängelt sich die noch schmale Leine durch die Felder. [10800]
Unmittelbar südlich des Bahnhofs Friedland (Han) beginnt die Nord-Süd-Strecke, aus dem Leinetal hinauf zum Bahnhof Eichenberg anzusteigen. Hier ist ein Platz, wie geschaffen dafür, um stundenlang zu sitzen und die Züge wie auf einer Modelleisenbahn an sich vorbeifahren zu lassen. Hier kommt der FD 1982 »Alpenland« von Oberstdorf nach Friedland herabgerollt. [11476]
Der Gegenzug des FD »Alpenland« hat am Morgen des 5. September 1989 den Bahnhof Friedland gerade hinter sich gelassen.

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Gartenbahn einmal anders. [11484]
Schauplatz der ersten Streckenstillegung in Deutschland: einst verlief die Strecke nach Arenshausen, diese Verbindung verlor jedoch nach Fertigstellung des Abschnitts Friedland -- Eichenberg so an Bedeutung, daß sie im Jahre 1884 stillgelegt wurde. [8999/03]
Wenige 100 m weiter südlich umfährt die Strecke den Osterberg. [11503]
Das letzte Licht des Tages scheint den Reisenden des IC Richtung Hannover durchs Fenster, bevor die Sonne hinter dem Böneberg verschwindet. [10786]
Als am 3. Januar 1989 die Sonne unterging und das restliche Licht den Eilzug 3027 von Göttingen nach Frankfurt zum glänzen brachte, gehörten die Berge im Hintergrund noch zu einer anderen Welt, denn wenige Kilometer weiter östlich verlief die Grenze zur DDR, deren baldiges Verschwinden damals noch ins Reich der Utopie gehörte. Doch nicht nur die Grenze ist verschwunden und Postwagen gibt es auch längst nicht mehr -- inzwischen wurde diese Szenerie, die sich beim Blick vom Böneberg damals bot, in Gänze durch die Autobahn 38 ausgelöscht. [10784]
Eng mit der deutschen Teilung ist auch der Bahnhof Eichenberg verbunden, denn die Strecke Richtung Arenshausen Nordhausen fiel der Grenzziehung zum Opfer. Im Jahr 1989 war die verkehrliche Bedeutung des Bahnhofs nur noch gering, denn die meisten Züge in und aus Richtung Kassel und Bebra verkehrten von und bis Göttingen, entsprechend gering war der Umsteigerverkehr, zumal seit die Strecke nach Großalmerode Ost und Walburg stillgelegt wurde, wovon die übermalten Gleise auf dem Hinweisschild an der Bahnsteigunterführung kündeten. Der frühere Bahnsteig der Gelstertalbahn kam jedoch bei der Einführung der wiederaufgebauten Strecke nach Arenshausen nach Aufhebung der Grenze zu erneuter Verwendung.  [89100/06]
Als der IC am 5. Mai 1989 an der Burg Hanstein vorbeirollte, waren die Grenzanlagen unterhalb des Burgbergs noch intakt, und ihr Bestand schien auf Dauer zu sein. Nicht selten quälten sich Busse die unterbrochene Straße nach Bornhagen hinauf, denn die Punkte, an denen man in die »Ostzone« gucken konnte, waren beliebte Ausflugsziele. Zu sehen gab es da indessen wenig, denn die DDR-Organe gaben sich stets alle Mühe, den Ausblick so langweilig wie irgend möglich zu gestalten. [11015]
Am 19. Februar 1991 hatte sich die Situation gänzlich geändert. DDR und Grenze gab es nicht mehr, der Sperrzaun war abgebaut und die Straße nach Bornhagen wieder frei. Im übrigen ist erwähnenswert, daß der Streckenabschnitt, den der Güterzug befährt, zwischen Bebenroth-Tunnel und Werrabrücke einst in Thüringen lag, und somit samt den Dörfern Werleshausen und Neuseesen der sowjetischen Besatzungszone zufiel. Ein Gebietstausch im Jahre 1945 ermöglichte es, die Strecke freizuhalten. [12683]
Kühlwagenwetter -- die sonst im Hintergrund sichtbare Burg Ludwigstein steckt noch im Nebel.  [12667]
Werleshausen [9011/04]
Die Werrabrücke bei Oberrieden [8829/01]
Der Ort Oberrieden befindet sich vor der Brücke, der zugehörige Bahnhof, auf dem damals schon keine Züge mehr hielten, ist erst jenseits eines Tunnels gelegen. Gerade ist es für die Reisenden des Eilzugs wieder hell geworden.

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Hinter dem kurzen Schürzeberg-Tunnel liegt der Bahnhof Oberrieden. Wieder fällt auf, daß einst auch die gewöhnlichsten Zweckbauten einer sorgfältigen architektonischen Gestaltung für wert befunden wurden, während heute der Anblick nackter Betonwände als gut genug gilt.

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Im Bahnhof Bad Sooden-Allendorf warten die Koffer der Kurgäste auf den Abtransport.

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Einen Fahrkartenschalter gab es ebenfalls, und Werbematerial wurde offenbar über drei Jahrzehnter weiterverwendet, denn wie abgebildet sah das neue Kursbuch schon seit 1967 nicht mehr aus. Das war effizienteste Verwendung von Werbemitteln!

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Vor der Kulisse der Stadtkirche von Sontra wartet die schon etwas abgegriffen wirkende 140 667 darauf, ihren Nahgüterzug nach Bebra zu bringen.

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Bei Gilfershausen rollt ein IC die Cornberger Rampe hinunter, während ein Zug des Kombinierten Ladungsverkehrs die Steigung bezwingt. [9009/11]
Die 141 auf dem Weg nach Bebra passiert eine der charakteristischen Signalbrücken, die zur Beschleunigung der Betriebsabwicklung im früher problematischen Rampenbereich einen Gleiswechselbetrieb ermöglichen.

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Schwungvoll nimmt die 103 mit ihrem IC die Steigung nach Gilfersbausen.

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Der FD »Alpenland«, die uns schon auf vorangegangenen Bildern begegnet ist, roll durch das Gefällt dem Bahnhof Bebra entgegen.

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Warten auf den Abfahrtauftrag.

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Das Tagwerk ist getan.

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Eine Besonderheit im Bereich der ehemaligen Bundesbahndirektion Kassel stellten die Bahnhofsschilder dar, die ein beleuchtetes Stationsschild mit einer Uhr kombinierten, und von denen auch Bebra welche besaß. [12088]

 

Galerien Deutsche Bundesbahn
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